Das Liebeskarussell

Von einem Rasenplatz im Markt Bad Goisern

Wird sorgsam Stück für Stück

Das Gras entfernt. Ein Haufen Erde aufgetürmt am Rand.

Zwei Pflöcke eingeschlagen um das Grab zu stützen.

 

Die Blasmusik spielt „Alte Kameraden“.

Und dann und wann ein weißer Pudertanz.

 

Nun treten vor die Lederhosenmänner

Ein jeglicher Kondome in den Händen.

Genoppt in allen Farben bis zu Schwarz

Auch Hahnenschwänze an den Spitzen.

Sie schwingen hin und schwingen her

Im weiten Bogen landen sie im Loch.

 

Ein Tusch vom Blech spielt fröhlich, laut und frech.

Und dann und wann ein weißer Pudertanz.

 

Die jungen Damen in den Dirndlkleidern

Die werfen rosa Dildos in die Tiefe.

Dazu noch batterienlose Vibratoren,

denn ohne Antrieb fehlt der Lustgewinn.

 

Vielfach benutzte Liebesartifakte,

auch Bücher mit Erotiktexten,

ein Kamasutra, ein Decamerone,

die Mutzenbacherin, der Pornofilm,

die Kronenzeitung ohne Seite neun,

Playboy, Praline, Fifty Shades of Grey

In tausend Jahren sollen sie dann zeugen,

von Goiserns Lust und Liebesleben.

 

Die Bläser spielen Jagdhorn und Fanfaren

Und dann und wann ein weißer Pudertanz.

 

Der Tanz ums Loch wird immer toller.

Der Jungfernbund zeigt sich in Lack und Leder

Die Knappen schnalzen mit den Goasln

Am Ende landen auch neunschwänzige Peitschen

Und Keuschheitsgürtel in der Grube.

Die Totengräber tragen ab den Hügel

Und werfen schaufelweise Erde in die Tiefe.

Die Zeitkapsel ist fest verschlossen

Für 1000 Jahre, was das Liebesspiel befruchtet.

 

Noch eine Zeitlang spielt die Blaskapelle:

Du Rosamunde, schenk mir dein Herz und sag Ja.

Und dann und wann ein weißer Pudertanz.


Neues Buch von Ilse Maria Bachl

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Preis: Euro 20,-

 

 


 

Gerne mache ich Lesungen mit Bildvortrag,  auch Pilgerlesung an wichtigen Orten des Granitpilgerweges im oberen Mühlviertel (nach Wahl).

Bitte kontaktieren Sie mich!

 


Neues von Ilse Maria Bachl

Granitpilgern

  

Ich werfe meine Worte ins Laub

begrabe meine Stimme

horche in die Stille

ewiger Granit tilgt

jeden Gedanken an Zeit.

 

Ich blättere nicht im Buch

lese im Bewuchs des Waldes

ruhe auf rostigem Heidekraut

schweige mit der Natur

und verliere jede Angst.

 

Lange vor dem Tag

verließ ich mein Bett

setzte tausend Schritte

und stellte tausend Fragen

als Pilgergebet.

 

(Sept. 2021, I.Bachl)